Presseschau

Basler Zeitung vom 27.06.2019

Kollers Signal

Der Trainer macht Valentin Stocker zum neuen Captain der Basler, während Fabian Frei nicht mal einer seiner beiden Assistenten wird.

Tilman Pauls, Rottach-Egern

Es war gerade wieder ein bisschen Ruhe eingekehrt beim FC Basel. Der eine oder andere Mitarbeiter hat im Trainingslager von Rottach-Egern zum Spass sogar schon die Stunden gezählt, in denen es der Verein ohne neue Aufregungen durch die Woche geschafft hatte.

Doch diese Serie endete gestern Abend, nach 67 Stunden der Ruhe.

Das hatte nicht unbedingt mit dem deutlichen 5:1-Sieg im Testspiel gegen den TSV 1860 München zu tun (siehe Box rechts unten). Sondern doch eher mit dem, was der Club wenige Minutenvor dem Anpfiffverkündete: Valentin Stocker wird neuer Captain des FCB und damit Nachfolger von Marek Suchy. Assistiert wird der 30-Jährige dabei von Taulant Xhaka und Jonas Omlin.

Das Ausmass der Aufregung war längst nicht vergleichbar mit demjenigen in der Vorwoche, schliesslich findet man für alle Namen ziemlich gute Argumente. Stocker gehört wie kaum ein anderer Spieler zum rotblauen Inventar. Er hat mit dem Club zehn Titel gewonnen, über 300 Spiele absolviert und ist – auch wenn er seit seiner Rückkehr nicht mehr so zentral ist wie in seiner ersten Zeit – in der Kabine akzeptiert.

Der Gang zum Präsidenten

Der bekennende Berufsbasler Taulant Xhaka ist in den vergangenen Jahren so sehr in seine Führungsposition hineingewachsen, dass sich inzwischen sogar die Angst vor Mikrofonen und Fernsehkameras etwas gelegt hat. Seine Wichtigkeit hat er zuletzt im Cupfinal gegen Thun bewiesen, als er das Team als Aussenverteidiger mitriss. Und Jonas Omlin hat nach nur einer Saison beim FCB mit Leistungen und Meinungsstärke auf allen Ebenen so sehr überzeugt, dass auch seine Wahl stimmig ist.

Dass die Ernennung des neuen Trios trotzdem für Gesprächsstoff sorgt, liegt daran, dass ein Name fehlt, den man dort schon fest eingeplant hatte: Fabian Frei. Seit dem angekündigten Abgang von Marek Suchy war man sich ja grösstenteils einig, dass er die grössten Chancen auf die Captain-Binde habe. Immerhin hatte er Suchy während dessen Verletzung zumeist vertreten. Und mit einem vergleichbaren Lebenslauf wie Stocker konnte Frei zusätzlich noch auf geregelte Einsätze und meist zuverlässige Auftritte verweisen.

Frei hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er gerne Captain werden würde. In einem Interview mit der BaZ sagte er schon wenige Tage nach seiner Rückkehr in die Schweiz: «Natürlich wäre ich gerneeines Tages Captain.» Dass er nun nicht einer der beiden Assistenten ist, sondern lediglich einen Platz im siebenköpfigen Spielerrat gefunden hat, ist längst nicht so nebensächlich, wie es sich anhörte, als Marcel Koller über die Entscheidung sprach: «Im letzten Jahr sind wir mit Suchy und Xhaka gestartet, die dann aber häufiger verletzt waren. Jetzt wollten wir etwas Neues machen.»

Koller hat diese Entscheidung nach Diskussionen mit seinem Trainerteam in letzter Instanz getroffen. Und dabei ist ihm ganz bestimmt nochmals durch den Kopf gegangen, wie unter anderem Fabian Frei in der Vorrunde das Gespräch mit Sportchef Marco Streller und Präsident Bernhard Burgener suchte. Und dass die beiden – wie heisst es im Fussball doch so schön? – aufgrund von unterschiedlichen Ansichten wohl eher nicht zusammen in die Ferien reisen werden.

Man kann die Entscheidung des Trainers nur als Signal in Richtung Frei deuten. Und dass nun ausgerechnet Valentin Stocker der neue Captain ist, der sich mit Fabian Frei längst nicht mehr so gut verstehen soll wie früher, könnte dafür sorgen, dass es beim FCB auch in den nächsten Tagen noch etwas unruhig ist.


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