Presseschau

Basler Zeitung vom 15.07.2019

Wechselhafte Hauptprobe

Das Team von Marcel Koller verliertdas letzte Testspiel vor dem Saisonstart gegen den VfB Stuttgart 2:3.

Oliver Gut

Es gab vieles, das an diesem Samstagabend passte. Da war die Kulisse von 9867 Zuschauern, welche für ein Testspiel so beachtlich war, dass sich alle anderen Super-League-Clubs ausser dem BSC Young Boys so viele Zuschauer bei einem Pflichtspiel wünschten. Da war die Dramaturgie der Partie, die in wechselnder Abfolge Tore und schliesslich auch eine Wende bot. Und da war ein FC Basel, der vor allem gegen Ende der Partie vehement die Offensive suchte und so für Spektakel sorgte.

Allerdings musste er dies auch tun – und ist damit auch schon angedeutet, was an diesem Samstagabend nicht passte: Der FCB ging gegen den VfB Stuttgart zwar zweimal in Führung. Doch er musste diese Führung auch zweimal preisgeben, um dann in der 71. Minute durch Gonzalez in Rückstand zu geraten. Weil er diesen nicht mehr wettzumachen vermochte, verlor er sein letztes Testspiel gegen den Bundesliga-Absteiger aus dem Schwabenland mit 2:3.

Es ist dies nach zuvor lauter Siegen der verpatzte Abschluss einer bis dahin resultatmässig perfekten Vorbereitung. Gründe, in der missglückten Hauptprobe ein gutes Omen für den Ernstfall zu sehen, gibt es allerdings durchaus. Der Auftritt des FC Basel mag gegen Stuttgart wechselhaft gewesen sein – doch wechselhaft war auch das Personal, mit dem er diesen bestritt: In der Pause wurde etwa die Innenverteidigung komplett neu bestückt, worauf mit Konstantinos Dimitriou und Yves Kaiser ein Duo agierte, das man so in der Meisterschaft wohl kaum je sehen wird. Dass Dimitriou beim entscheidenden Gegentreffer ins Leere rutschte, unterstreicht diese Behauptung.

Kaum Rückschlüsse

Hinzu kommt, dass viele potenzielle Starter erst in der 76. Minute eingriffen, als Trainer Marcel Koller nahezu komplett durchwechselte: Valentin Stocker, Fabian Frei, Noah Okafor, Silvan Widmer, Raoul Petretta und auch Albian Ajeti kann man sich gut in jener Startformation vorstellen, die am Freitag im Wallis die ersten Punkte der laufenden Saison einfahren soll. Was das natürlich auch bedeutet: Rückschlüsse darauf, wie Koller zu spielen gedenkt, wenn es zählt, lässt der letzte Test so gut wie keine zu. Das bezieht sich nicht nur auf die personelle Zusammensetzung, die gegen den Gast aus Deutschland zu jedem Zeitpunkt wie eine Mischung aus Titularen und Ersatzbank wirkte. Sondern auch auf das System: Sah man den FCB zuletzt mehrmals im 4-1-4-1, so wurde gegen Stuttgart zunächst ein 4-2-3-1 und nach dem grossen Wechsel schliesslich ein 4-4-2 praktiziert.

Ebenfalls Vorsicht sollte man walten lassen, wenn man die gesamte Vorbereitung betrachtet: Einem Reflex gleich war diese ruhig verlaufen, nachdem es zuvor im Club rund um die Trainerfrage drunter und drüber gegangen war. Das wahre Gesicht dieses FC Basel wird man allerdings erst am Freitag in Sion erstmals sehen – und dann nur vier Tage später in Eindhoven einen nächsten Eindruck erhalten.


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