Presseschau

Basler Zeitung vom 17.08.2019

Alles Kopfsache

Das Cupspiel von heute Samstag in Pully (17 Uhr) ist für den FCB primär eine Frage der Einstellung. Im Vorfeld dreht sich aber noch immer vieles um Ricky van Wolfswinkels Ausfall und dessen Folgen.

Oliver Gut

Es heisst, enge Spiele werden im Kopf entschieden. Beim FC Basel wird heute Samstag kein enges Spiel erwartet, wenn der Titelverteidiger im Schweizer Cup in Pully antritt. Dazu ist der regionale Zweitligist etwas gar unterklassig. Trotzdem ist im Vorfeld alles Kopfsache.

Das beginnt bei ebendieser Partie. «Wie man als Oberklassiger auftritt, ist eine Frage der Einstellung», sagt Marcel Koller dazu. Und der Trainer des FC Basel erinnert sich an ein Erlebnis als Spieler des Grasshopper Club. «Es war gegen Wohlen oder Suhr. Wir spielten katastrophal, gewannen aber dank eines Balles, den Mark Strudal irgendwie mit dem Bauch über die Linie drückte, mit 1:0 – am Ende waren wir dann trotzdem Cupsieger.»

Wie man zu so einer mühsamen Partie kommt, weiss Koller genau: «Man hat das Gefühl, es reichen auch ein paar Prozent weniger. Und wenn man auf dem Platz steht, merkt man plötzlich, dass der Gegner sich voll reinhängt – schafft es dann aber fast nicht, den Schalter umzulegen.»

Natürlich will Koller verhindern, dass sein Team lasch agiert. Der mentalen Einstellung förderlich sein könnte dabei ausgerechnet ein Negativ-Erlebnis: Das Aus im Champions-League-Rennen am Dienstag in Linz, das der Trainer primär auf die ungenügende Leistung beim 1:2 im Hinspiel zurückführt, gibt nicht Anlass zur Überheblichkeit. Der Gegner im Cup mag zwar nicht zur Wiedergutmachung taugen. Doch jeder weiss, dass man sich nun am Genfersee erst recht keine Blösse geben darf.

Das Kader dazu hat Marcel Koller auf jeden Fall. Doch viel mehr interessiert, ob er auch das Kader hat, um auf höchster nationaler Stufe so zu bestehen, wie man sich das vorgenommen hat.

Im Zentrum steht dabei nach dem Ajeti-Abgang der Ausfall Ricky van Wolfswinkels – und damit wieder der Kopf: Seit Donnerstag ist bekannt, dass beim Holländer ein Aneurysma festgestellt wurde (BaZ von gestern). Dieses wird durch einen Eingriff behandelt, der nicht einer Operation am offenen Gehirn entspricht, sondern als endovaskuläres Coiling bezeichnet wird. Dabei wird das Aneurysma mit Platinspirälchen verschlossen, die mit einem Mikrokatheter via Leiste auf dem Gefässweg zum Gehirn geführt werden.

Mindestens ein halbes Jahr wird der Angreifer ausfallen. Und auch Koller sagt, dass sich nicht abschätzen lässt, wie es um die Zukunft des Fussballers Van Wolfswinkel bestellt sein wird.

Es fehlt der sichere Wert

Klar ist hingegen, dass «Ricky uns fehlt». Auch wenn der Holländer in seinen zwei FCB-Jahren nie ganz jener Königstransfer war, als der er geholt wurde, so war er mit seiner Erfahrung und seiner Qualität ein verlässlicher Spieler, der regelmässig skorte.

Dieser Mittelstürmer ist nun, da auch Ajeti weg ist, nicht mehr im Kader auszumachen. «Wir diskutieren über Ersatz», sagt Koller. Ob dieser auch verpflichtet wird, dürfte nicht zuletzt davon abhängen, was der Markt hergibt und zu welchem Preis – schliesslich ist der FCB weiterhin um eine ausgeglichene Rechnung bemüht.

Letztlich ist daran aber auch eine Grundsatzfrage geknüpft: Wenn die FCB-Verantwortlichen wirklich glauben, dass man den BSC Young Boys in dieser Saison ernsthaft herausfordern und vielleicht sogar Meister werden kann, werden sie einen gestandenen Mittelstürmer verpflichten. Sehen sie sich und den Club jedoch abermals in einer Übergangssaison, dann ist gut möglich, dass die verbliebenen, jungen Stürmer im Kader viel Raum zur Entwicklung erhalten.


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