Presseschau

Basler Zeitung vom 26.08.2019

Der Ausgebootete hält das Schiff auf Kurs

Fabian Frei ist mit einem Tor und zwei Assists der Matchwinner beim 3:0-Auswärtssieg gegen Xamax.

Oliver Gut, Neuenburg

Für Marcel Koller besteht danach kein Zusammenhang. Jedenfalls sagt er das so. Doch wer am Samstag gesehen hat, wie Fabian Frei beim 3:0-Sieg des FC Basel in Neuenburg aufgetreten ist und wer seine Vergangenheit kennt, der kommt nicht um die Vermutung umhin, dass es seiner Leistungsentwicklung zuträglich gewesen sein könnte, dass ihm der Trainer des FC Basel im Sommer einen Denkzettel verpasste.

Koller hat Fabian Frei nicht nur nicht zum logischen Nachfolger des weitergezogenen Marek Suchy als Captain gemacht. Nein, er hat ihn auch gleich aus dem Captain-Trio verbannt, was man durchaus als Retourkutsche für Freis Federführung in Sachen Spieler-Revolte imvergangenen Dezember deuten darf.

Frei hat darauf reagiert: Zwar nicht mit Verständnis. Aber mit Leistung. Im Auswärtsspiel bei Neuchâtel Xamax ist er auch ohne Binde am Arm der Kapitän des Basler Spiels und hält damit das Schiff auf Kurs.

Nachwuchs und Kumpel

Schon in Hälfte eins um Kreativität bemüht, ist er nach der Pause die überragende Figur: Mit einem perfekten Direktschuss aus dem Lauf erzielt er das wegweisende 1:0 (55.), um schliesslich vom defensiven ins offensive Mittelfeldversetzt zuwerden, wo er die letzten Pässe zu den weiteren Basler Treffern durch Kemal Ademi und dem offiziellen Captain Valentin Stocker gibt.

Gewiss: Frei dürfte auch aus der Tatsache Kraft geschöpft haben, dass er unter der Woche zum zweiten Mal Vater geworden ist. Und womöglich war auch das Schicksal Ricky van Wolfswinkels besondere Motivation: Der Holländer wird in dieser Woche den Eingriff an seinem Aneurysma vornehmen – Frei soll die T-Shirts initiiert haben, mit denen die Mannschaft vor der Xamax-Partie zum Aufwärmen erschien und dem Mitspieler bereits «Gute Besserung» wünschte.

Dass Fabian Frei jedoch ein Spieler ist, dem man ab und an einen Tritt geben muss, damit er sein volles Rendement erreicht, ist ebenfalls weit verbreitete Meinung: Der portugiesische Trainer Paulo Sousa hatte zu Beginn seines FCB-Jahres ab und an auf Frei in der Startelf verzichtet. Zurück kam schon damals Leistung, die in einem entscheidenden Treffer beim 1:1 in der Champions League in Liverpool und zum Saisonende in einem Transfer in die Bundesliga gipfelte.

Seit eineinhalb Jahren zurück in Basel, bedeuten die drei Skorerpunkte bei Xamax eine Premiere: Nie ist ihm dies zuvor in mittlerweile 325 Pflichtspielen für den FCB gelungen. Einzig als junger Leihspieler in St. Gallen vermochte er einmal statistisch derart zu reüssieren.

Zu null und zu harmlos

Eine andere Premiere feierte der FCB am Neuenburgersee in globo: Zum ersten Mal in dieser Saison gelang es der Mannschaft, eine Partie ohne Gegentor zu beenden. Daraus zwingend auf eine Defensive zu schliessen, die zusammenwächst, wäre allerdings verfrüht: Xamaxwar diesbezüglich kein Gradmesser, da ausser Routinier Raphaël Nuzzolo keiner der Gastgeber im Spiel mitdem Ball frei von Defiziten wirkte. Exemplarisch steht dafür Corbaz’ schwacher letzter Pass bei einem Konter, den Silvan Widmer abfängt und damit den Gegenschlag einleitet, der den zuvor schwachen FCB in Front bringt.

Wirklich gefährlich sind die Neuenburger in der ganzen Partie nur einmal, als Seydoux ans Lattenkreuz trifft (38.). «Das war ein Weckruf», findet Koller danach und erzählt, dass er in der Kabine laut geworden sei.

Vielleicht war jedoch der Weckruf, den der FCB-Trainer im Sommer Fabian Frei zukommen liess, von grösserer Bedeutung für den Ausgang der Partie.


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