Presseschau

Basler Zeitung vom 30.09.2019

Der FCB gibt in der Liga den Ton an

Rotblau geht als Tabellenerster ins zweite Saisonviertel. Das tut er so souverän wie lange nicht mehr.

von Dominic Willimann

Nur bei den Young Boys steht die Null. Nach dem ersten Saisonviertel darf der Meister aus Bern von sich sagen, dass er das einzige Team in der Super League ist, dass bislang noch nie verloren hat. Dass YB dennoch Zweiter ist und drei Zähler weniger auf dem Konto als der Leader aufweist, liegt am FC Basel.

Dieser geht bislang in einer lange nicht mehr gesehenen Souveränität durch die Meisterschaft. Neun Spiele, 22 Punkte. Spitze ist die Mannschaft von Marcel Koller auch, was die Anzahl der erzielten Tore (24) und der erhaltenen Gegentreffer (8) betrifft. Captain Valentin Stocker sagt: «Zurzeit macht es einfach Spass.» Der Krienser nennt eines der Erfolgsrezepte der aktuellen Mannschaft: «Wir sind unberechenbarer geworden, haben viele, die vor dem Tor gefährliche Aktionen haben.» Die 24 Tore verteilen sich denn auch auf zehn verschiedenen Spieler. Der interne Ligatopskorer heisst mit sechs Treffern Kemal Ademi.

Der FCB hat es also geschafft, die personellen Änderungen im Angriff schadlos zu überstehen. Nach dem Abgang von Topskorer Albian Ajeti und dem verletzungsbedingten Ausfall von Ricky van Wolfswinkel hat Ademi die Lücke schliessen können. Unterstützung erhält der gross gewachsene Neuzugang aus Neuenburg von Arthur Cabral. Der Brasilianer steht zwar erst am Anfang seiner Zeit beim Stadtclub, doch hat er mit seinen Toren gegen Luzern und seinem Treffer gegen Zürich sein Potenzial angedeutet. «Er ist ein cooler junger Mann, auch wenn er noch nicht alles richtig macht», sagt Stocker über den neuen Stürmer aus Südamerika.

Omlin, der Rückhalt

Ebenso sattelfest präsentiert sich die Defensive. Das Zentrum mit Neuzugang Omar Alderete und Eray Cömert findet von Spiel zu Spiel besser zueinander. Das zeigt ein Blick auf die Zahlen. Letztmals mehr als ein Gegentor hat der FCB in der Super League am 3. August erhalten – beim 3:2-Sieg in Thun. Nebst der funktionierenden Verteidigung ist diese defensive Stärke auch das Verdienst von Jonas Omlin. Der Goalie gibt in seiner zweiten Saison in Rotblau erneut den starken Rückhalt zwischen den Pfosten. Das zeigt er auch beim 3:0 gegen Luzern. «Mit seinen Re­flexen hat er uns ein-, zweimal sehr geholfen», lobt Koller seine Nummer 1 nach dem siebten Meisterschaftserfolg.

Zwar spielte der Innerschweizer auch vor Jahresfrist stark, doch verpasste er in dieser Phase der Meisterschaft sieben Super-League-Partien wegen einer Oberschenkelverletzung. In dieser Zeit gewann der FCB nur zweimal. Deshalb liest sich die Bilanz der letzten Spielzeit nach neun Partien etwas anders als die aktuelle: Nach neun Partien in der Saison 2018/2019 sammelte Rotblau 13 Zähler. Das bedeutete Platz fünf hinter den Young Boys, Zürich, Thun und St. Gallen. Der Rückstand auf Leader YB betrug zu diesem Zeitpunkt stolze 14 Punkte. Der Dominator der letzten Spielzeit hatte nach dem ersten Saisonviertel bereits mehr als doppelt so viele Zähler wie der Verfolger aus Basel geholt – und sich damit den Weg zum Meistertitel geebnet.

Stocker, der Vorreiter

Um einiges spannender könnte der Titelkampf in den nächsten Monaten vonstatten gehen. Auch, weil der FCB nach dem turbulenten Juni hinter den Kulissen unbeschwerten Fussball gezeigt hat. «Dass wir so gut gestartet sind, ist eine grosse Entlastung», sagt Stocker, der vor allem die Einsatzbereitschaft seiner Mitspieler lobt. «Die Laufwege, die wir gehen, passen gut.» Damit stellt der FCB viele seiner Widersacher vor Probleme.

Als Nächstes wird sich Trabzonspor in der Europa League mit Basel messen. Es ist das erste von zwei Auswärtsspielen in den nächsten Tagen, das zweite folgt am Sonntag in St. Gallen. «Eine ganz schwierige Woche», findet Stocker, stehe der Mannschaft bevor. Doch beunruhigen tut ihn dies nicht. Denn an Selbstvertrauen mangelt es Rotblau nicht. Das haben die letzten Wochen gezeigt.


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