Presseschau

Basler Zeitung vom 14.12.2019

Streller, Gaugler und der Ajax-Mann

Mit Percy van Lierop hat der FC Basel einen Ausbildungsleiter Nachwuchs engagiert, der diese Funktion bis heute nie ausgeübt hat.

Oliver Gut

Alles richtig gemacht. Wenn man sieht, wo der FC Basel vor dem letzten Spiel des Jahres sportlich steht, ist dieses Fazit schnell zur Hand. Nur einen Punkt Rückstand auf Leader YB in der Liga, dazu den Gruppensieg und die Qualifikation für die Sechzehntelfinals in der Europa League - kaum einer hätte dies den Basler Fussballern zugetraut. Schon gar nicht nach der Erschütterung im Juni, als ein Trainer-Grundsatzentscheid gegen Marcel Koller rückgängig gemacht wurde, was dann Marco Strellers Ende als Sportdirektor bedeutete.

Keiner weiss, was gewesen wäre, wenn es - wie ursprünglich beschlossen - zum Trainerwechsel gekommen wäre. Was man beim FC Basel jedoch sehr wohl kennt, sind die verbliebenen Nebenwirkungen der Kopfschmerzen, die man sich im Juni selbst bereitete. Was das Image betrifft, so dürften diese im Zuge des sportlichen Erfolgs stark nachgelassen haben. Geht es jedoch um Personalien, dann finden sich Folgen des Knalls, die auch ein halbes Jahr später unveränderte Kosten verursachen.

Dabei geht es noch immer um Marco Streller, aber auch um Remo Gaugler. Und es geht um den Ajax-Mann. Ein Mann, der nie offiziell beim FC Basel begrüsst wurde, aber trotzdem da ist. Sein Name: Percy van Lierop. Seine Aufgabe: Ausbildungsleiter Nachwuchs des FC Basel. Jedenfalls war sie das, als er im ersten Halbjahr 2019 einen auch heute noch gültigen Vertrag unterschrieb. Das ergaben Recherchen dieser Zeitung.

Die Begeisterung

Aufgenommen hat Percy van Lierop seine vorgesehene Arbeit nie. Stattdessen wurde im September Marco Schällibaum intern zum Ausbildungsleiter Nachwuchs befördert. Es ist dies eine indirekte Folge der Verwerfungen im Juni. Denn es war das Duo Streller/Gaugler, das sich im Frühjahr für Van Lierop starkgemacht hatte. Aus nachvollziehbaren Gründen: Van Lierop gilt als ausgewiesener Nachwuchsfachmann. Der 45-jährige Holländer arbeitete von 2005 bis 2012 bei Red Bull Salzburg im Juniorenbereich, war dort auch Nachwuchsleiter. Und er war danach von 2015 bis offiziell Anfang August 2019 Nachwuchskoordinator bei jenem Ajax Amsterdam, das in der vergangenen Saison mit den eigenen Junioren die Champions League eroberte, ehe man in den Halbfinals knapp an Tottenham Hotspur scheiterte.

In Basel hätte Van Lierop Nachwuchschef Massimo Ceccaroni ergänzen und unterstützen sollen, zumal dieser stark in das rotblaue Indien-Projekt in Chennai eingebunden ist. Hinzu kommt: Mit Van Lierops Verpflichtung hätte sich der Club erstmals seit längerer Zeit unabhängiges Know-how von aussen in den Nachwuchs geholt.

Präsident Bernhard Burgener, der schon mehrmals betonte, dass seine Unternehmungen immer auch auf grosse Markennamen bauen, war für den Ajax-Mann zu begeistern. Er forcierte dessen Verpflichtung, obwohl die Idee zuvor in den rotblauen Führungsgremien bei Ceccaroni und Chefscout Ruedi Zbinden auf Skepsis gestossen war. Percy van Lierop erhielt einen auf drei Jahre befristeten Vertrag und hätte seine Arbeit in der Saison 2019/20 aufnehmen sollen.

Die verschobenen Gewichte

Nach Marco Strellers Abgang und Zbindens Beförderung ins neue Doppelamt «Sportdirektor/Chefscout» war alles anders. War auch Gaugler aus dem inneren Zirkel entfernt und hatten sich folglich die Gewichte in den FCB-Führungsgremien merklich verschoben. Mit dem Ergebnis, dass der Van-Lierop-Entscheid - soweit das noch möglich war - rückgängig gemacht wurde.

Der FCB dementiert diesen Sachverhalt nicht, ist allerdings vorerst zu keiner Stellungnahme bereit. Wohl auch deshalb, weil man noch immer nach einer Lösung für Van Lierop sucht, die seinen Fähigkeiten gerecht wird. Und wohl auch, weil man beim FCB nie eine Verpflichtung des klangvollen Namens «Van Lierop» publik gemacht hat. Entsprechend sah man sich bislang auch nie dazu genötigt, öffentlich auf diese brisante Folgegeschichte der Juni-Verwerfungen aufmerksam zu machen.

Warum hätte man sich selbst auch damit belasten sollen? Obwohl es in der Causa Van Lierop schon früh Hinweise aus dem FCB-Umfeld und aus Holland gab, die sich zunehmend verdichteten, schien alles unter dem Deckel zu bleiben. So, dass sich auch die Beförderung Schällibaums als ganz normalen Schritt hin zu einer verbesserten Führungsstruktur im Nachwuchsbereich kommunizieren liess. Oder anders gesagt: Obwohl er in der Folge im Scouting-Bereich Aufträge ausführte, hat Percy van Lierop im FC Basel bis heute nie offiziell stattgefunden. Dazu passend, war er bis Freitagabend auch auf der clubeigenen Website nicht aufgeführt.

Van Lierop weilt als Angestellter natürlich noch immer in der Region. Er ist in Himmelried wohnhaft und angemeldet, wie die Verwaltung der Solothurner Gemeinde gegenüber dieser Zeitung bestätigt. An Heimspielen des FCB ist er auch schon als Zuschauer gesichtet worden. Und vielleicht wird er ja doch noch eine Aufgabe erhalten, die den ursprünglichen Absichten gerecht wird. Entsprechende Überlegungen sollen im Club zumindest gemacht werden.

Die Kündigungsfristen

Auch Remo Gauglers Zukunft ist unklar. Der 51-jährige Baselbieter ist zwar nicht mehr Kaderplaner und damit nicht mehr die rechte Hand des Sportdirektors. Aber er ist diesem noch unterstellt: Ruedi Zbinden setzt ihn seit Sommer im Scouting-Bereich ein. Allerdings bislang noch zu alten Konditionen. Denn Gauglers Arbeitsvertrag, den er als Kaderplaner unterschrieb, ist unbefristet. Die Kündigungsfrist beträgt sechs Monate. Der FCB hat diesen Vertrag zwar gekündigt. An den alten Bezügen würde sich aber bis Ende Februar nichts ändern, käme man vorher nicht zu einer neuen Übereinkunft.

Gar bis Ende März wird Marco Streller noch als Sportdirektor bezahlt werden. Denn genauso wie bei Gaugler, so wurde auch mit ihm seinerzeit ein unbefristeter Arbeitsvertrag abgeschlossen. Ebenfalls mit halbjähriger Kündigungsfrist. Allerdings wurde Strellers Papier einen Monat später gekündigt.

Das bedeutet: Allfällige vereinbarte Prämien - zum Beispiel solche, die an sportliche Erfolge wie etwa das Erreichen der Europa League oder das Überwintern im Europacup geknüpft sind - müssten ebenfalls bezahlt werden. Gemäss Informationen dieser Zeitung sollen beide Verträge derartige Prämien enthalten.

Sportlich finden sich durchaus Gründe, um heute zum Schluss zu kommen, dass das Gewitter unter dem Strich reinigend war, das sich im Juni im FC Basel entlud. Sollte damals aber - wie in anderen Medien kolportiert - tatsächlich auch aus Kostengründen kein Trainerwechsel vollzogen worden sein, so wäre die Rechnung zumindest in diesem Punkt nicht aufgegangen.


www.baz.ch

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