Presseschau

Basler Zeitung vom 31.07.2020

In den letzten Tagen

FCB vor Partie in Thun

Am Montag endet für den FC Basel die Super-League-Saison. Wann das Engagement von Marcel Koller am Rheinknie abläuft, ist hingegen nach wie vor unklar.

Dominic Willimann

Seit Sonntag herrscht zumindest in einer Sache Klarheit: Meister kann der FC Basel in dieser Super-League-Saison nicht mehr werden. Was auch bedeutet, dass sich der Vertrag mit Trainer Marcel Koller nicht automatisch um ein weiteres Jahr verlängert. Da der FCB zum Sparen gezwungen ist, deutet alles darauf hin, dass es auf der Trainerbank zu einem Wechsel und folglich zu einer kostengünstigeren Lösung kommt.

Nur: Wann Koller seinen letzten Arbeitstag im Joggeli haben wird, ist unklar. Koller sagt einzig: «Meine Zukunft ist noch nicht geklärt.» Zwar wurde sein Kontrakt, der am 30. Juni ausgelaufen ist, offiziell bis «zum Saisonende» verlängert, doch muss sich die Vereinsführung die Frage stellen, wie viel Sinn es mit Blick auf die nächsten Monate macht, dass Koller diese Spielzeit tatsächlich beendet. Denn bereits am 11. September wird die neue Super-League-Saison angepfiffen. So lautet der Plan der Liga.

Sollte der FCB das Finalturnier der Europa League in Deutschland erreichen, bliebe dem neuen Mann an der Seitenlinie gerade mal ein Monat, um sein neues Team kennen zu lernen und auf die kommenden Aufgaben vorzubereiten. Wobei in diese Zeit zwei Länderspiele fallen und die Akteure bestimmt auch eine Woche Pause zur Erholung verdient hätten.

Denn das Programm, das der FCB in diesen letzten Tagen der Saison zu absolvieren hat, ist happig. Am 3. August geht 381 Tage nach dem ersten Basler Spiel in Sitten eine lange Meisterschaft, unterbrochen durch eine lange Corona-Pause, zu Ende. Bis dahin stehen am Freitag das letzte Liga-Auswärtsspiel (gegen Thun) und am Montag die Liga-Heimderniere (gegen Luzern) an. Ehe am Donnerstag mit dem Rückspiel im Achtelfinal der Europa League gegen Eintracht Frankfurt die härteste Prüfung des Schlussspurts auf Rotblau wartet. Und darüber entscheidet, ob die Basler Saison «nur» mit dem Schweizer Cup oder auch europäisch fortgesetzt wird.

Platz zwei noch möglich

Angesichts dieses dichten Spielplans ist Basel gut beraten, seine Kräfte vernünftig einzuteilen. Sportchef Ruedi Zbinden hat am Montag bei Telebasel die beiden ausstehenden Meisterschaftspartien zu «Vorbereitungsspielen für Frankfurt» erklärt. Davon möchte Koller allerdings nichts wissen. Noch immer sei es möglich, dass der FCB die Super League als Zweiter beendet. «Und dafür werden wir alles unternehmen.» Mit einer «B»-Equipe oder gar Junioren in Thun anzutreten, sei keine Option. «Es wäre nicht korrekt, wenn wir Spieler schonen würden», sagt Koller und meint damit, dass er kein Interesse daran habe, mit einer nicht kompetitiven Aufstellung die Meisterschaft zu verfälschen. Schliesslich möchte Thun den Gang in die Barrage verhindern und ist auf Punkte angewiesen.

Ein Vorteil für die Thuner könnte jedoch sein, dass der FCB über vier Wochen nicht mehr auf künstlicher Unterlage gespielt und zuletzt selbst auf ein Training auf Kunstrasen verzichtet hat. «Die Mannschaft ist erfahren genug, damit umzugehen», sagt Koller, der seine Übungseinheiten in der Brüglinger Ebene auch am Tag vor dem Thun-Vergleich auf Naturrasen abhält. Man darf gespannt sein, wie der FCB in der Stockhorn Arena bei den angekündigten heissen Temperaturen auf dem künstlichen Grün zurechtkommen wird.

Geht es nach Koller, werden die beiden letzten Aufgaben in der Super League mit der notwendigen Seriosität angegangen - auch wenn der Rückstand auf das zweitplatzierte St. Gallen stolze fünf Zähler beträgt. Da nach dem Lugano-Spiel vom Sonntag für einmal ein paar Tage mehr zwischen den Partien zur Verfügung standen als gewöhnlich, hat der 59-Jährige seinen Spielern zum Wochenstart zwei freie Tage gegönnt. Es sei wichtig gewesen zu regenerieren, den Kopf frei zu bekommen, Energie zu tanken.

Marcel Koller hält also an seinen Plänen fest und gibt sich in diesen letzten Tagen weiterhin so abgeklärt gegen aussen, wie man sich das von ihm gewohnt ist. Selbst wenn seine Personalie in den Zukunftsüberlegungen des FC Basel keine Rolle mehr spielen wird.


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