Presseschau

Basler Zeitung vom 04.03.2021

Besser gehts nicht

Nach hektischen Tagen kommt der FC Basel dank grossem Einsatz zu einem 1:1 gegen die Young Boys. Angesichts der Umstände muss man das als Erfolg werten, doch Ruhe wird auch dieses Resultat kaum bringen.

Tilman Pauls

Ciriaco Sforza suchte noch eine allerletzte Diskussion mit dem Linienrichter, Torhüter David von Ballmoos schrie seinen Frust in die Nacht hinaus und Gerardo Seoane lief mit schwer zu deutender Miene auf den Rasen. 1:1, für die Young Boys war das sicher nicht das Ergebnis, das sie sich im Vorfeld erhofft hatten. Beim FC Basel hingegen konnte man durchaus zufrieden sein mit dem Endresultat.

«Krisenclub empfängt Meister YB», das konnte man vor dem genau so Anpfiff lesen. Für diese eine Schlagzeile wäre man vor ein paar Jahren ja noch aus der Stadt gejagt worden, aus beiden Städten sogar, aus Basel und aus Bern. Aber spätestens seit diesem Montag ist die Rollenverteilung natürlich zutreffend.

Nach der Beurlaubung von Captain Valentin Stocker, dem Protestzug der Basler Fans durch die Stadt und den Investoren-Gerüchten musste man an diesem Mittwochabend mit so ziemlich allem rechnen - von einer weiteren Rekord-Niederlage bis hin zur Fan-Revolte. Aber am Ende wurde es doch ein ganz normales Fussballspiel.

Überraschende Führung

YB war über die 90 Minuten gesehen das bessere Team, was Spielanlage, Athletik und Präzision angeht. Eben so, wie sich die Berner in den letzten Wochen durch die Liga und auch durch die Europa League bewegt haben. Die Basler hatten sich schon früh mit ihrer neuen Rolle als Aussenseiter angefreundet, so wirkte es zumindest.

Die ersten zehn Minuten war es ein ausgeglichenes Spiel, ehe der Druck der Gäste immer grösser wurde. Offenbar hatten die Berner die linke Abwehrseite der Basler als Schwachstelle ausgemacht, auch wenn dort etwas überraschend Raoul Petretta spiele und nicht Albian Hajdari.

Trotzdem kam YB wieder und wieder zu guten Flanken in den Strafraum - und als man gerade mit dem Führungstreffer rechnen musste, ging der FCB in Führung: Nach einem Abspielfehler von Fabian Lustenberger spielte Darian Males den Ball zu Aldo Kalulu, der legte zurück und Males traf aus der Distanz.

1:0, damit konnte man nicht unbedingt rechnen nach den jüngsten Entwicklungen. Womit man hingegen sehr wohl rechnen konnte war die Reaktion der Berner, die sechs Minuten und nach einer sehenswerten Kombination durch Sandro Lauper den Ausgleich erzielten.

Gekämpft bis zum Ende

Es war eine Ausgangslage, wie man sie beim FCB schon häufig gesehen hat: Erst die Führung, dann der Ausgleich - und meist folgte daraufhin der Kollaps in der zweiten Hälfte. Dieses Mal jedoch stemmten sich die Basler gegen die Niederlage, kämpften um diesen Punkt.

Zwar kam YB durchaus noch zu guten Chancen, die entweder Goalie Heinz Lindner oder ein Basler Verteidiger unterbinden konnte. Allerdings hätte auch der FC Basel durch Aldo Kalulu (50.) oder Arthur Cabral (66.) hätte in einer zeitweise launigen Partie in Führung gehen können.

«Wir sind heute als Team herausgekommen und wollten den Bock umstossen», sagte Timm Klose, um endlich mal wieder das Bild des ominösen Bocks zu verwenden. «Wir wollen jetzt positiv zusammen in eine Richtung gehen.» Er selbst habe keine Auswirkungen oder gar eine Gruppenbildung nach dem Aus von Captain Stocker erkannt.

In Anbetracht all dieser Umstände muss man aus Basler Sicht für das Spitzenspiel gegen die Berner fast schon sagen: Besser gehts nicht.

Natürlich hilft das 1:1 nicht dabei, wieder für komplette Ruhe zu sorgen. Zwar versicherten sowohl Klose als auch später Besitzer Bernhard Burgener, dass in den Medien viele Unwahrheiten geschrieben worden wären, die dann für Unruhe gesorgt hätten. Aber die Diskussionen um die wahren Gründe für Stockers Beurlaubung und die Investoren werden weitergehen.

Nur eines lässt sich für den Moment festhalten: Sportlich haben die Spieler gegen die Young Boys bewiesen, dass sie das Chaos rund um den Club zumindest für 90 Minuten ausblenden konnten.

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