Basler Zeitung vom 03.12.2005
Patrick Müller, «Spieler des Monats»
Interview: Christoph kieslich
Titel mit dem FC Basel gewinnen, den Achtelfinal im Europacup erreichen und Brasilien als Traumgegner bei der WM - Wünsche und Ziele von Patrick Müller, dem «Spieler des Monats» der baz im Monat November.
Der Abwehrspieler des FCB, der am 17. Dezember 29 Jahre wird, war vor einem Jahr von RCD Mallorca zum Schweizer Meister gekommen. Gestern nahm er sich in der kurzen Erholungspause zwischen Tromsö-Spiel und dem Spitzenkampf gegen GC Zeit für die Fragen der baz-Leser. Den Rest des Tages wollte er sich Gedanken über Weihnachtsgeschenke machen.
Philip Bartos, Mailand: Zurzeit spielen Sie in Topform. Wie kam es zum Einbruch zu Saisonbeginn?
Wenn ich mir das erklären könnte, wenn ich die Gründe dafür kennen würde, würde ich sie abstellen. Es ist jedes Jahr das selbe, es war bei Lyon so, bei GC und bei Servette: Ich habe Probleme, in den Rhythmus zu kommen. Aber ich gebe es nicht auf, endlich einmal eine ganze Saison über konstant zu spielen.
Diego Persenico, Birsfelden: Wer hat mehr Anteil an Ihrer Leistungssteigerung: Köbi Kuhn als Nationaltrainer oder FCB-Trainer Christian Gross - oder gibt es jemanden, an den ich gar nicht denke?
Alle sind beteiligt. Kuhn war sehr wichtig in der Phase, als ich in Basel nicht gespielt habe. Dann trotzdem das Vertrauen zu spüren, ist sehr wichtig. Das will ich zurückgeben. Aber auch Gross hat Recht gehabt. Ein Trainer lässt immer seine Besten spielen, wir sind nun mal 20, 22 Spieler, und dann sitzt man eben manchmal auf der Bank. Über allem steht immer der Erfolg der Mannschaft. In schwierigen Phasen ist meine Familie sehr wichtig für mich. Ein Lächeln meiner Tochter Norah verändert schon sehr viel.
Grga Pitic: Haben Sie es jemals bereut, nach Basel gekommen zu sein?
Ich hatte das Glück, nach dem halben Jahr in Mallorca hier gelandet zu sein, in einer speziellen Stadt, einer Fussballstadt. Der FCB ist ein Verein mit hohen Zielen, er will Titel gewinnen - und nach sechs Monaten hier hatte ich schon den ersten. Olympique Lyon hat in der Zeit, seit ich weg bin, einen Riesenschritt nach vorne gemacht, kann sogar die Champions League gewinnen. Es wäre dort heute eine ganz andere Situation für mich.
Philip Bartos: Wie weit kommt der FC Basel im Uefa-Cup?
Sehr weit, hoffe ich. Wir wollen es auf jeden Fall besser machen als letztes Jahr. Der Final muss immer das Ziel sein, aber den Achtelfinal zu erreichen, wäre schön. Jetzt erwartet uns aber erst einmal ein schweres Spiel in Rom, aber der FCB hat schon gezeigt, dass er gegen Topclubs gute Resultate erzielen kann, dass er keine Angst haben muss.
Steven Vogt, Füllinsdorf: Wurden Sie in Istanbul auch attackiert?
Ich weiss nur: Als meine Mannschaftskollegen vom Platz gerannt sind, bin ich hinterher. Im Tunnel habe ich mich geduckt, habe meinen Kopf geschützt und bin unversehrt in der Kabine angekommen. Erst später sah ich im Fernsehen, was passiert ist - mehr jedenfalls als im Stadion selbst. Ich hoffe jetzt nur, dass Stéphane Grichting bald wieder spielen kann, und dann freuen wir uns auf die WM.
Steven Vogt: Wie sieht Ihre Traumgruppe für die Weltmeisterschaft aus?
Ich kenne die Zusammensetzung ja nicht, aber aus Topf 1 wäre Brasilien ein spezielles Los. Man hat nicht oft Gelegenheit, gegen die Brasilianer zu spielen. Gegen Spanien habe ich noch nie gespielt, und dann wäre Japan oder die Elfenbeinküste ein schönes Los.
R. Ramstein, Luzern: Wer wird Weltmeister und wie wird die Schweiz bei der WM abschneiden?
Favorit ist Brasilien. Bei einer WM gab es noch nicht die Überraschungen wie etwa bei einer EM. Die Elfenbeinküste könnte zum Favoritenschreck werden. Wenn Brasilien gegen uns ausscheidet, stehen der Schweiz alle Türen offen. Mit dieser Mannschaft, mit der Mischung und der Stimmung, ist vieles möglich. Es herrscht eine neue Mentalität, auch bei den Fans: Wir sind nicht mehr die kleinen Schweizer. Ich bin überzeugt, dass diese Mannschaft in ein paar Jahren regelmässig Erfolge feiern wird - auch wenn ich dann vielleicht nicht mehr dabei bin.
Melanie Ott, Basel: Sind Sie eigentlich für einen Profifussballer nicht zu dünn?
Ich kann machen und essen was ich will: Ich nehme nicht zu und wiege 69 Kilo. Das kann im Zweikampf gegen grosse, kräftige Stürmer von Nachteil sein, aber deshalb muss ich probieren, anders zu spielen.
Raffael Bopp (12 Jahre): Wollen Sie nach der Spielerkarriere Trainer werden?
Klingt so, als ob ich bald fertig wäre mit meiner Karriere. Aber heute steht soviel fest: Ich werde nicht im Fussball bleiben. Ich möchte noch etwas anderes kennen lernen, auch wenn ich heute noch keine Ahnung habe, was es sein könnte. Aber noch stellt sich diese Frage nicht, noch habe ich einen Vertrag bis 2007 plus Option. Und diese Zeit werde ich geniessen.