Basler Zeitung vom 10.06.2014
Die FC Basel Frauen feiern mit dem Sieg im Schweizer Cup eine Premiere
Von Seraina Degen, Wohlen
In der 78. Minute setzt sich Samira Susuri den Ball auf den Rasen des Stadions Niedermatten in Wohlen. Im Cupfinal zwischen den FC Basel Frauen und dem SC Kriens steht es in diesem Moment 1:1 remis. Die Verlängerung in einer ausgeglichenen Partie ist nur zwölf Minuten entfernt. Bereits nach sieben Minuten traf Fabienne Bangerter zur FCB-Führung, fünf Minuten nach der Pause gelang Sarah Puntigam nach einem Prellball etwas glücklich der Ausgleich.
«Ich weiss, dass ich dafür bekannt bin, voll draufzuhauen», wird Susuri nach dem Spiel sagen. Doch die Walliserin entscheidet sich bei diesem Freistoss anders – und richtig. Mit viel Gefühl zirkelt sie den Ball um die Mauer in die untere rechte Ecke. Es ist der Siegtreffer für die FC Basel Frauen und das Tor zum ersten Titel der rotblauen Frauensektion. Auf den T-Shirts der Spielerinnen steht nach dem Spiel denn auch passenderweise «Das 1. Mal ist immer am schönsten!». Und sogar eine Prämie gibt es vom Club: pro Spielerin einen 500-Franken-Gutschein für ein Schmuckgeschäft im aargauischen Baden.
Falsche Taktik von Kriens
Basel rehabilitierte sich somit auch für den vergeigten Cupfinal vor einem Jahr gegen Zürich (0:5-Niederlage). Kriens auf der anderen Seite verlor den zweiten Final innerhalb von drei Jahren. Die Zentralschweizerinnen konnten die vereinsinterne Unruhe – zwei Tage vor dem Final wurde Trainer René Müller entlassen – nicht wegstecken. Und statt wie gewohnt mit viel Störarbeit und Zweikämpfen das Spiel des Gegners zu zerstören, versuchte Kriens mitzuspielen – ein Fehler gegen die technisch und spielerisch überlegenen Baslerinnen.
Derweil ging die Taktik von FCB-Trainer Beat Naldi vollends auf. Die neue Dreier-Abwehrkette liess praktisch keine Chancen zu und das Fünfer-Mittelfeld fand genügend Raum vor, um sich offensiv zu entfalten. Für Naldi, der den Verein nach zwei Jahren verlassen muss, war es der perfekte Abschluss. Die Genugtuung des Erfolgstrainers, der in seinem total fünften Cupfinal den vierten Titel holte, war gross: «Dieser Titel ist ein Verdienst harter Arbeit.»
Diese soll nun ab der kommenden Saison Kaan Kahraman fortführen. Der 32-jährige Solothurner ist nach Susanne Gubler und Beat Naldi der dritte FCB-Frauen-Trainer und betreute bis anhin die U18-Frauen aus Solothurn.
Kahraman soll die erfolgreiche Entwicklung weiterführen, die vor fünf Jahren und nach der Übernahme des FCB vom FC Concordia Basel begonnen hatte. Mit Fabienne Bangerter verlässt zwar die erfolgreichste Torschützin (10 Tore) den Club und wechselt zum SC Freiburg in die Bundesliga, doch mit der ungarischen Nationalspielerin Alexandra Szarvas (Kriens, 18 Tore) haben die Verantwortlichen bereits für Ersatz gesorgt. Und mit der Mittelfeldspielerin Sophie Herzog kehrt vom FCZ eine Ur-Baslerin zum Verein zurück.
Sportlich gesehen ist ebendieser FCZ das Mass der Dinge im Schweizer Frauenfussball und wird als Meister wiederum die Qualifikation zur Champions League bestreiten. Basel ist jedoch gewillt, diese Lücke zu verkleinern, damit dereinst vielleicht auch mal ein Meistertitel gefeiert werden kann.