Basellandschaftliche Zeitung vom 11.08.2016
Catering · Der FCB erzielt 1,3 Prozent seiner Einnahmen aus Bier- und Wurstverkauf
Samuel Hufschmid
25 Essstände und sechs Biercorner im Stadion sowie eine Handvoll unabhängige Standbetreiber vor dem Stadion sorgen dafür, dass die FCB-Fans Match für Match kulinarisch versorgt werden und keine Kehle trocken bleibt. Wie viel dabei umgesetzt wird, bleibt ein grosses Geheimnis. Die einzige Zahl, die im FCB-Jahresbericht dazu erscheint, sind die Einnahmen aus Pachtabgaben von der Catering-Firma Wassermann sowie vom Fussballclub Concordia. 1,289 Millionen Franken waren das im Jahr 2015. Geteilt durch die 520000 Zuschauer, die der FCB in der abgelaufenen Saison empfangen durfte, ergibt das rund 2.50 pro Person. Wobei der Betrag eher tiefer sein dürfte, da auch Pachteinnahmen von anderen Veranstaltungen wie Konzerten im St. Jakobpark in die FCB-Jahresrechnung einfliessen.
Die beiden grossen Organisationen, die im Joggeli beim Catering kräftig mitverdienen, sind der FC Concordia und die Firma Wassermann & Company, an der der FCB eine Minderheitsbeteiligung hat. Für «Congeli» sind die Einnahmen «von existenzieller Bedeutung», wie Vorstandsmitglied Stephan Gloor sagt. «Wir machen das seit 61 Jahren. Ohne diese Einnahmen gäbe es den FC Concordia nicht mehr.» Aktuell betreibt der Verein 13 Essenstände und sechs Biercorner im Stadion, die Verträge müssen immer wieder neu verhandelt werden. «Wir spüren schon einen gewissen Druck von der Firma Wassermann, aber die Zusammenarbeit ist gut und man respektiert sich gegenseitig», sagt Gloor. Diesem Druck begegne man mit guter Arbeit und man vertraue auf die Tradition und eine gewisse moralische Verpflichtung, die der FCB dem Verein gegenüber habe – schliesslich fliesse der Grossteil des Gewinns in die Juniorenabteilung, von der der FCB ebenfalls profitiere.
Die Firma Wassermann dementiert solche Ausbau-Pläne. «Zusätzliche Stände im Stadion zu betreiben, wäre zwar unternehmerisch interessant, aber wir haben die Tradition des FC Concordia von Anfang an respektiert und dabei bleibt es auch», sagt Frank Wassermann. Stände ausserhalb des Stadions zu betreiben, wie jenen vor dem Gartenbad (Bild, die bz berichtete), gehöre grundsätzlich nicht zum Kerngeschäft der Firma. Zudem habe die Firma Wassermann keinen Stand beim ersten Saisonspiel betrieben, sondern erstmals in der neuen Saison beim gestrigen Spiel gegen YB. Auf der Gemeinde Münchenstein heisst es dazu auf Nachfrage, dass der Stand beim ersten Saisonspiel zwar ohne Bewilligung betrieben worden sei, dass die Verantwortung dafür aber bei der St. Jakobshalle gelegen habe.
Beim FCB ist eine Expansion im Gastro-Bereich auf der öffentlichen Allmend zurzeit kein Thema, wie Jonas Blechschmidt, Leiter Stadion und Gastronomie, sagt: «Wir haben ausserhalb der Stadionparzelle gar keine Möglichkeiten, zu expandieren. Es gibt rund um FCB-Matches eine grosse Anzahl Gelegenheitsgastronomen, die von den Spielen profitieren. Darauf hat der FCB aber keinen Einfluss, dies müssen wir akzeptieren.» Vielmehr sei es für den Club nun wichtig, dass das Gastronomieangebot auf der Stadionparzelle attraktiv gestaltet werde, sagt Blechschmidt.
Zusatzeinnahmen für den FCB
Nebst den Einnahmen aus den Pachtzinsen profitiert der FCB via seine Holding AG aber auch schon jetzt mehr, als dies die ausgewiesenen Zahlen glauben liessen. Die Holding ist als Minderheitsaktionär der Wassermann & Company AG beteiligt. Über die Höhe der Beteiligung und über die Beträge, die fliessen, schweigen sämtliche involvierten Stellen eisern. Die «Tageswoche» schrieb im März dieses Jahres von einer 20-Prozent-Beteiligung, bestätigen wollte diese Zahl weder der FCB noch die Firma Wassermann. Fakt ist, dass diese Beteiligung des FCB nicht nur die Aktivitäten der Firma Wassermann im Joggeli umfasst, sondern auch sämtliche anderen Catering-Aktivitäten der Firma, beispielsweise für die Messe Basel.