Presseschau

bz Basel vom 11.08.2026

Barcelona-Wahnsinn in Basel

Millionen von Zugriffen und ein abgebrochener Vorverkauf: Der Run für das Testspiel gegen Barcelona sprengt alle Dimensionen.

Andreas Möckli

Der Ansturm begann schon vor dem offiziellen Verkaufsstart. Bereits wenige Minuten zuvor versuchten Kaufwillige, auf den Ticketshop des FC Basel zuzugreifen. Um 13 Uhr sollte der freie Verkauf für den Testspiel-Knüller gegen den FC Barcelona beginnen – doch da war die Plattform bereits überlastet.

Um 13:10 Uhr informierte der FCB über die Probleme: «Sämtliche technischen Ressourcen sind auf Maximalkapazität am Arbeiten, reichen aber aufgrund der enorm vielen gleichzeitigen Zugriffe und Seitenaktualisierungen nicht aus.» Kurz vor 17 Uhr musste sich der Verein geschlagen geben. Das riesige Interesse habe «die Ticketing-Server bedauerlicherweise zum Erliegen gebracht».

Der FCB stoppte daraufhin den freien Verkauf. Am Dienstag um 12:00 Uhr soll er mit deutlich erhöhten Serverkapazitäten wieder aufgenommen werden. Bis dahin gibt es auf offiziellem Weg keine Tickets mehr zu kaufen.

Der Schwarzmarkt eilt voraus

Ungeduldige Fussballfans wurden bereits am Wochenende auf Auktionsplattformen fündig. Die geforderten Preise für die Tickets sind teils exorbitant hoch. Ein Anbieter aus Frick verlangt auf Ricardo für vier Tickets im Sektor C3 ganze 1999 Franken. Auf Tutti, einer Schwester-Plattform von Ricardo, verlangt ein Benutzer aus der Stadt Zürich für zwei Tickets im Sektor A mindestens 800 Franken.

Die genannten Beispiele scheinen eher Fantasiepreise zu sein. Effektiv geboten wird auf den beiden Plattformen ab 120 Franken pro Ticket, abhängig vom Sektor.

Rechtlich ist die Situation nicht abschliessend klar: Der Weiterverkauf einzelner Tickets ist in der Schweiz grundsätzlich erlaubt, auch mit Preisaufschlag. Strafbar ist dies allein deshalb nicht. Auch der FCB verbietet nicht jeden privaten Weiterverkauf, wohl aber den kommerziellen oder gewerblichen Handel ohne Zustimmung. Wo diese Grenze liegt, definieren die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) nicht; im Streitfall müssten Gerichte entscheiden.

Bei Verstössen drohen laut FCB unter anderem 1000 Franken Konventionalstrafe, der Ausschluss von weiteren Ticketkäufen oder ein Stadionverbot.

Beim Kauf von Tickets auf Auktionsplattformen droht zudem am Matchtag eine böse Überraschung: Die Tickets lassen sich kopieren, der QR-Code funktioniert aber nur einmal. Wer damit als Zweiter am Drehkreuz steht, bleibt draussen.

Zugriffe im dreistelligen Millionenbereich

Wie gewaltig der Ansturm tatsächlich war, zeigen Zahlen des FCB: Zwischen 13:00 und 16:30 Uhr registrierten die Server durch permanentes Seitenaktualisieren Zugriffszahlen im dreistelligen Millionenbereich. Der Klub hat erfolglos versucht, zusätzliche Serverleistung sukzessive hochzufahren. Nun wird die Kapazität deutlich erhöht. Der FCB entschuldigt sich bei den Fans für die Unannehmlichkeiten.

Zugriffszahlen im dreistelligen Millionenbereich erscheinen nur schwer erklärlich, zumal es sich bloss um ein Testspiel handelt. Der Ansturm dürfte auch mit den tiefen Ticketpreisen ab 20 Franken zusammenhängen. Viele witterten dabei vermutlich ein Geschäft.

Möglicherweise haben kaufwillige Fans mithilfe von künstlicher Intelligenz versucht, Zugriff auf die Ticketing-Website zu erlangen. Nicht völlig ausgeschlossen ist, dass professionelle Tickethändler aus dem Ausland versucht haben, eine grössere Zahl an Tickets zu kaufen, um diese teuer weiterzuverkaufen. Der FCB kann solche Vermutungen auf Rückfrage zwar nicht explizit bestätigen, hält sie aber nicht für unrealistisch.

Die nächste Belastungsprobe folgt am Dienstag, wenn der FCB den freien Verkauf erneut öffnet. Wie viele Tickets dann noch zu haben sind, ist offen.

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